Auf mein Wort kann man sich verlassen

„Ich bringe nicht viel zustande, aber auf mein Wort kann man sich verlassen.“ – dieser Satz aus Figur Cole aus der Serie The Affair hat mich neulich berührt und nachdenklich gemacht.

Berührt hat er mich, weil Cole damit verzweifelten Ausdruck seiner Desillusionierung gibt. So viel, was für ihn richtig und gewiss erschien, rinnt ihm durch die Finger. Ihm ist klar geworden, dass er nicht im Griff hat, was er erreichen und gut machen wollte. Er ist nicht der Macher, der er sein möchte oder meint, sein zu sollen, sondern treibt auch nur auf Schicksalswellen.

Und mit diesem Satz nähert er sich seiner Freundin wieder an, die er zuvor aus all seiner Anspannung heraus verprellt hatte. Er öffnet sich ihr, zeigt sich als unsicher und bedürftig. Sein Ergebnisversprechen: Er wird sie nie wieder so verletzen, wie er es getan hat. Dass sie darauf vertrauen können, würden alle bestätigen, die er kenne. Er halte wenigstens sein Versprechen.

Die Tragik, die auch in diesem Bemühen steckt, hat mich einfach berührt. Ich finde, Joshua Jackson spielt Cole überzeugend.

Besonders angesprungen bin ich in dem Satz natürlich auf die Verlässlichkeit. Cole gibt ein Versprechen in Bezug auf seine Versprechen ab. Er betont, dass er zumindest verlässlich sei, wenn er sonst schon sein Leben nicht voll im Griff hat.

Ist das aber kein Widerspruch? Ist „nicht viel zustande bringen“ nicht das Gegenteil von „auf mein Wort kann man sich verlassen“? Nein, nicht solange er keine Ergebnisversprechen abgibt für Dinge, die er zustande bringen will.

Er hat es z.B. nicht geschafft, nach dem Tod seines Sohnes, seine Ehe zu erhalten. Dazu hatte er allerdings auch kein Ergebnisversprechen, sondern nur ein Verhaltensversprechen gegeben. Und dieses Verhaltensversprechen hat er tatsächlich eingehalten – leider nicht mit dem gewünschten Ergebnis. Bei aller Investition seinerseits in die Ehe gab es keine Garantie, dass das ausreichen würde. Es gehören zwei dazu, die es wollen.

So kann sich Cole als gescheitert und doch verlässlich empfinden.

Das finde ich sehr klar, sehr bewusst. Denn geht es uns nicht allen so? Können wir überhaupt in größeren Dingen etwas anderes in Aussicht stellen?

Ich glaube, mit seinem Satz hat Cole ausgesprochen, was wir realistisch von einander erwarten können und sollten.

Ob wir im Leben „etwas zustande bringen“, können wir nicht versprechen. Nicht anderen Menschen, nicht uns selbst sollten wir etwas anderes vormachen.

Doch wir können Verlässlichkeit versprechen. Das heißt, wir können versprechen, uns unserer Mitmenschen bewusst zu sein und sie respektvoll zu behandeln, insbesondere wenn sie uns um etwas bitten. Wenn andere sich auf uns verlassen, dann gilt es. Dann sollten wir ehrlich und realistisch sein in dem, was wir versprechen. Dann sollten wir konsequent im Rahmen unserer Versprechen handeln.

Das ist für mich die Basis von Gemeinschaft. So kann Vertrauen wachsen.

Cole mag seine Ehe nicht erhalten haben, er mag gescheitert sein bei der Führung der elterlichen Ranch, vielleicht schafft er auch nicht, sich aus seiner Verzweiflung herauszuarbeiten. Dennoch kann er seinen Mitmenschen und insbesondere seiner Freundin ein verlässliches Gegenüber sein.

Das zu erkennen und sich darum zu bemühen, finde ich wichtig und auch menschlich.

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