FAQ

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Q: Mein Leben ist schon anstrengend genug. Warum sollte ich da auch noch 100%ige Verlässlichkeit anstreben?

A: Unserer Meinung nach ist die Antwort simpel: Weil 100%ige Zuverlässigkeit das Leben einfacher macht.

Zunächst: Bestimmt schätzen Sie 100%ige Verlässlichkeit bei anderen sehr hoch. Der Zug fährt pünktlich, das Gehalt kommt pünktlich und in voller Höhe, der Handwerker arbeitet in versprochener Qualität und zum versprochenen Preis, der Bericht enthält alle erbetenen Zahlen, die Antwort vom Kollegen kommt so prompt wie versprochen, der Strom fällt nicht aus, der Internetzugang funktioniert zu jeder Tageszeit, das WLAN ist stabil und schnell usw. usf.

Wenn sie solche Zuverlässigkeit bei anderen schätzen, warum sollten Sie dann nicht den selben Anspruch an sich haben? Andere schätzen es bestimmt auch, wenn sie sich auf Sie 100% verlassen können.

Und das ist auch gar nicht so schwer, wie es den Anschein hat. Wir glauben sogar, dass Ihre Lebensqualität steigt, dass Sie Ihren Stress reduzieren, wenn Sie 100%ige Zuverlässigkeit anstreben.

Der Trick besteht darin, nicht in die Falle eines Missverständnisses zu treten. Das lautet nämlich: „Wenn ich jetzt 100% zuverlässig sein soll, dann muss ich mich noch viel mehr anstrengen, solche Versprechen, die ich bisher gegeben habe, auch zu erfüllen.“ Doch darum geht es nicht. Sie sollen eben nicht weiterhin „solche Versprechen“ wie bisher eingehen.

Sie sind bisher ja nicht immer wieder unzuverlässig gewesen, weil Sie sich nicht bemüht hätten. Nein, sie waren unzuverlässig, obwohl (!) Sie sich bemüht haben. Das ist doch tragisch, oder? Aber das soll eben aufhören.

Deshalb sollen Sie eben keine Versprechen mehr wie in der Vergangenheit eingehen. Sie sollen andere Versprechen abgeben, Versprechen, die sie zuverlässiger und entspannter einhalten können.

Bisher haben Sie vielleicht gesagt, „Ich schreibe den Bericht bis morgen um 15:00h.“ Das war dann sehr stressig. Statt der erwarteten 2 Stunden haben Sie 3 Stunden gebraucht – und waren eigentlich immer noch nicht zufrieden. Dadurch sind andere Arbeiten ins Hintertreffen geraten.

Sie sollen sich nun eben nicht noch mehr anstrengen, dasselbe Versprechen einzuhalten. Sie sollen es gar nicht erst abgeben, wenn Sie den Hauch einer Ahnung haben, es nicht einhalten zu können. Versprechen Sie stattdessen: „Ich weiß, der Bericht ist Ihnen wichtig. Ich werde deshalb ab heute jeden Tag 2 Stunden dafür reservieren. Gerne teile ich Ihnen nach jedem der Blöcke mit, wie weit ich schon gekommen bin.“ Das ist ein Verhaltensversprechen statt des bisherigen Ergebnisversprechens. Das ist ein Versprechen, das Sie einhalten können – sofern Sie Ihren Kalender im Griff haben.

Vielleicht brauchen Sie nur einen 2-Stunden-Block für den Artikel. Das erwarten Sie auch aufgrund Ihrer Erfahrung. Aber vielleicht brauchen Sie zwei. Das macht dann auch nichts, denn Sie haben ja nicht die Einhaltung eines Budgets versprochen.

100%ige Zuverlässigkeit ist nicht „alter Wein in neuen Schläuchen“, sondern „neuer Wein“. Sie sollen andere Versprechen eingehen und mit alten Versprechensgewohnheiten brechen.

Q: Muss wirklich jedes Versprechen eingehalten werden?

A: Ja. Das ist der Sinn von Versprechen. Sie entlasten den, dem Sie versprochen haben. Der kann sich nun auf Sie verlassen. Das reduziert die Komplexität seines Lebens.

Das erste Regel des Versprechens lautet daher: Machen Sie sich vorher Gedanken, was Sie versprechen wollen, damit Sie es später nicht bereuen und mit Stress oder Schlimmerem für Leichtfertigkeit zahlen.

Aber natürlich gibt es wie sonst auch im Leben hier Ausnahmen und Notfälle. Unvorhergesehenes kann auch dem bestdurchdachten Versprechen in die Quere kommen. Dann heißt es, umgehend den Dialog suchen.

Sie können Versprechen jederzeit nachverhandeln. Im gegenseitigen Einvernehmen ist eine Veränderung von Ergebnis, Budget, Verhalten, Ressourcen oder gar eine Entbindung vom Versprechen möglich.

Doch Vorsicht: Solche Nachverhandlung sollte wirklich die Ausnahme bleiben. Denn sonst kann das Versprechen seinen Zweck der Komplexitätsreduktion nicht entfalten.

Q: Ich finde es schwer, wirklich alle Versprechen zu halten. Wie kann ich es mir leichter machen?

A: Ja, es ist nicht leicht, auf einmal so aufmerksam und konsequent zu sein. Das ist wie bei jeder grundlegenden Verhaltensumstellung. Aber es gibt ein paar Hilfestellungen:

  1. Sie könnten damit anfangen, Ihre Zuverlässigkeit zunächst nur in bestimmten Bereichen auf 100% zu bringen. Fangen Sie zuhause an oder mit der Pünktlichkeit oder mit der verlässlichen Beantwortung von Emails. Wenn Sie dabei Erfolge erzielen, weiten Sie Ihre Zuverlässigkeit aus.
  2. Suchen Sie sich einen Accountability Partner, d.h. jemanden, der Ihnen „beisteht“ bei Ihrem Vorhaben. Der fragt nach, wie es mit Ihren Bemühungen läuft, der erinnert Sie daran, der hilft Ihnen in schwierigen Fällen, das angemessene Versprechen zu formulieren. Vielleicht macht der sogar auch mit. Dann helfen Sie sich gegenseitig.
  3. Wenn Sie der Typ sind, der auf Incentives anspringt, setzen Sie kleine Belohnungen für besondere Zuverlässigkeit aus. Vielleicht befördert ein Kinobesuch oder ein Stück Kuchen Ihre Bemühungen? Oder Sie machen es umgekehrt: Führen Sie eine Strichliste gebrochener Versprechen. Wenn dort einige zusammengekommen sind, spenden Sie z.B. für Wikipedia oder ein Projekt bei betterplace.org. 1€ oder 5€ (für Führungskräfte 😉 ) pro gebrochenem Versprechen reichen als Motivationshilfe.

Q: Was kann ich gegen meine Angst tun, etwas zu versprechen, das ich womöglich nicht halten kann?

A: Es ist nicht ungewöhnlich, sich angesichts der Größe des Versprechens „100%ige Zuverlässigkeit“ zunächst gelähmt zu fühlen. Das ist auch gut so. Denn es offenbart, wie unbewusst Sie in der Vergangenheit versprochen haben, d.h. wie leichtfertig Sie mit Zuverlässigkeit umgegangen sind.

Nach diesem Innehalten heißt es jedoch, sich wieder in Bewegung setzen – allerdings mit justierter Kompassnadel. Das bedeutet:

Ja, seien Sie vorsichtig! Bevor Sie zu viel versprechen, versprechen Sie lieber wenig. Bei Erfolg kühner werden, ist leichter, als bei Misserfolg zurückzurudern. Hier ein paar Tipps für den Fall, dass Sie sich unsicher fühlen:

  1. Versuchen Sie, Ergebnisse in Teilergebnisse (Meilensteine) zu zerlegen. Versprechen Sie also nicht das große Ganze, sondern Häppchen. Nach jedem können Sie pausieren und sich neu orientieren.
  2. Versuchen Sie, statt eines Ergebnisversprechens ein Verhaltensversprechen zu geben.
  3. Versuchen Sie, mit dem Verhalten nur Etappenziele zu erreichen. Danach orientieren Sie sich neu.
  4. Binden Sie den Leistungsempfänger ein. Er soll Ihnen durch seine Präsenz helfen, Ihrem Versprechen treu zu bleiben. Häufiges Feedback hilft darüber hinaus, dass der Fortschritt möglichst geradlinig auf das Ziel zuläuft.

Machen Sie aus Ihrer Unsicherheit auch keinen Hehl. Wenn Sie offen damit umgehen, werden Sie erstaunt sein, wie hilfsbereit Leistungsempfänger sein können. Denn immerhin geht es um ein gemeinsames Ziel. Dem Leistungsempfänger ist nicht damit gedient, dass Sie falsche Sicherheit vorspiegeln.

Q: Man verlangt von mir ein Ergebnisversprechen, aber ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Was tun?

A: Das ist eine sehr misslich Situation. Jetzt heißt es, stark bleiben! Haben Sie Mut!

Machen Sie als erstes Ihr Gegenüber darauf aufmerksam, wie hoch das Risiko ist, dass ein Ergebnisversprechen darstellen würde. Vielleicht kann dabei ja auch ein Missverständnis geklärt werden und alles sieht wieder sonniger aus.

Versuchen Sie herauszufinden, warum das Budget so knapp bemessen ist. In vielen Fällen ist die Zeit das Problem. Es wird ein Termin für eine Lieferung gefordert, der nicht oder nur mit großer Ungewissheit zu halten ist. Warum ist der Termin so, wie er ist? Lässt sich daran etwas ändern? Immer wieder stellt sich heraus, dass Termine im Grunde willkürlich gewählt werden. Weil es ja einen geben muss, oder nicht?

Wenn der Termin aber wirklich, wirklich unverrückbar ist, dann versuchen Sie, das große Ergebnis in Teilergebnisse zu zerlegen. Ordnen Sie die nach Risiko: Was Sie am unsichersten macht, kommt an den Anfang.

Bieten Sie als Alternative ein Verhaltensversprechen. Wenn Sie nicht nur sagen, „Ich kann Ihnen kein Ergebnis versprechen…“ – das hört sich ja auch sehr unverbindlich an -, sondern „Ich werde mich ab morgen jeden Tag damit 4 Stunden beschäftigen und Ihnen regelmäßig den Fortschritt mitteilen.“, dann hört Ihr Gegenüber echten Willen, ihm zu helfen.

Nicht nur ist solch ein Versprechen realistischer, als ein (erpresstes) Ergebnisversprechen. Es besteht bei solchem Vorgehen auch viel eher die Chance, auf Veränderung in den Wünschen des Leistungsempfängers bis zum Termin einzugehen.

Trotz dieser Empfehlungen bleibt es für Sie jedoch schwierig. Sie sind auf die Einsichtsfähigkeit Ihres Gegenübers angewiesen. Wir drücken Ihnen die Daumen!

Q: Was tue ich, wenn ich ein Versprechen nicht einhalten kann bzw. eingehalten habe?

A: Seien Sie proaktiv und offen. Verheimlichen Sie den Umstand nicht. Sprechen Sie den Leistungsempfänger an, bitten Sie um Entschuldigung und führen Sie eine konstruktive Diskussion herbei, um die Situation wieder auf die Spur zu bekommen.

Auch wenn Sie 100%ige Zuverlässigkeit anstreben und sehr bewusst zwischen Ergebnis- und Verhaltensversprechen unterscheiden und vorsichtig sind, wird Unzuverlässigkeit eintreten. Das ist unvermeidbar. Das ist eine Gelegenheit, etwas zu lernen.

Eine gewisse Ritualisierung des Umgangs mit einem solchen Misserfolg mag helfen. Machen Sie z.B. den Failure Bow.

In jedem Fall ist jedoch eine kleine Retrospektive angezeigt, die die Ursachen für die Unzuverlässigkeit aufdeckt, um in der Zukunft besser zu sein.

Q: Wie gehe ich mit jemandem um, der sein Versprechen nicht eingehalten hat?

A: Bleiben Sie freundlich, aber bestimmt. Versprochen ist versprochen; Sie erwarten zurecht 100%ige Zuverlässigkeit – oder zumindest eine proaktive Information, falls etwas verrutscht (Bringschuld!).

Seien Sie dabei jedoch offen für den ehrlichen Versuch, die Ursache aufzuklären und es das nächste Mal besser zu machen.

Lassen Sie bei all dem allerdings nicht die Möglichkeit außer acht, dass auch Sie einen Anteil an der Situation haben könnten. Haben Sie vielleicht zu sehr ein Ergebnisversprechen gewünscht, so dass Ihr Gegenüber es schwer hatte, nur ein Verhalten zu versprechen? Oder haben Sie sich bei einem Verhaltensversprechen zu lange zurückgelehnt, ohne sich über den Fortschritt zu unterrichten?

Q: Wenn mir jemand ein Verhaltensversprechen gibt, wie weiß ich, dass er mich nicht hinhält?

A: Verhaltensversprechen sind keine ballistischen Geschosse, die man abschießt und dann treffen Sie im Ziel ein. Man muss vielmehr „dran bleiben“, man muss den Fortschritt beobachten.

Das klingt nach Mühe. Aber diese Mühe lohnt sich. Denn dadurch, dass man in Kontakt bleibt, steigt die Chance auf höhere Qualität durch häufigeres Feedback. Und Sie haben die Möglichkeit, Stopp zu sagen, wenn das entstehende Ergebnis einen Stand erreicht hat, der gut genug ist. Merke: Fortschritt ist wichtiger als Fertigstellung. Denn Fertigstellung des einen kann den Fortschritt des anderen behindern, falls die Ressourcenlage ungünstig ist.

Wenn Sie an einem Verhaltensversprechen dran bleiben, dann merken Sie schnell, ob da einer Zeit schindet oder die Arbeit einfach schwierig ist. Außerdem geben Sie dem, der sich verhält, ein klares Signal, dass Sie da sind und seine Arbeit schätzen. Das motiviert.

Q: Kann ich als Führungskraft etwas für meine Organisation versprechen?

A: Sicherlich. Das müssen Sie sogar. Sie repräsentieren eine Ressource mit gewissen Kompetenzen, die anderen Leistungen anbietet. Diese Leistungen soll Ihre Organisation 100% zuverlässig erbringen.

Ihre Versprechen sollten jedoch immer in vorheriger Absprache mit den tatsächlich im Sinne des Leistungsempfängers Tätigen erfolgen. Nur dann sind sie gültig.

Außerdem müssen Sie einen eigenen Anteil in das Versprechen „einrechnen“. Ihre Aufgabe als Führungskraft ist ja die Organisation der Zusammenarbeit der Tätigen. Selbst wenn jeder Tätige seine Teilaufgabe versprechenskonform erbringt, bedeutet das nicht automatisch die Einhaltung des Versprechens. Die hängt noch davon ab, ob auch das Zusammenspiel der Teile wie versprochen funktioniert.

Bevor Sie ein Ergebnisversprechen abgeben, prüfen Sie daher doppelt, ob das Ergebnis wirklich auf allen Ebenen handwerklich verlässlich reproduzierbar innerhalb des Budgets hergestellt werden kann.

Leider gibt es viele Organisation, die ihre Fähigkeit in dieser Hinsicht stark überschätzen.

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  2. […] Es geht also auch um die Frage: Was kann ich eigentlich versprechen? […]